Les Misérables
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Schon so lang (Rue Plumet)
Cosette:
Was nun? Ich fühle mich wie gerade erst gebor'n
Was tun? Hat jemand je so schnell sein Herz verlor'n
Was ist bloß mit dir los, Cosette? Vielleicht warst du zu oft allein?
So vieles bleibt verhüllt und schweigt mich an wie Stein
Schon so lang hab ich so viele Fragen
Doch Antworten finde ich nicht
Schon so lang hör ich tief in der traurigsten Stille
Ein Seufzen, ein fernes Gedicht
Es verspricht eine Welt ohne Raum und Zeit
Furchtbar weit und doch unsagbar nah, für mich bereit
Weiß er, daß es mich gibt? Oder hoff ich zuviel?
Sah er auch, was ich sah? Ob er fühlt, was ich fühl?
Viel zu lang, viel zu lang schon allein
Doch die Liebe kommt endlich zu mir
Finde mich, find mich hier
Valjean:
Sag, Cosette, du mußt sehr einsam sein
Wie grübelnd, wie traurig scheinst du mir
Doch glaub mir, ach, wär' es mir gegeben
Ich füllte dir dein Leben
Wie trostlos ist das, ich versteh'
Wenn ich alleine mit dir geh'
Cosette:
Warum hast du mir nie die Geschichte erzählt
Vom dem Kind, das ich war, von der Zeit, die dich quält?
Warum schweigst du dich aus von dem Leben davor?
Warum gräbst du dich ein und verschließt unser Tor?
Was schläft in deiner Brust
Was du verbergen mußt?
Du bist gut, du erfüllst jeden Wunsch
Eh er in meinen Augen erscheint
Doch Papa, cher Papa, für dich bin ich noch immer das Kind
Das im Wald nach dir weint
Valjean:
Sag kein Wort, sag kein Wort, das erneut an uns frißt
Worte gibt's, die man besser verschweigt, besser vergißt
Cosette:
Viel zu lang war ich hilflos und klein
Ich will endlichdie Wahrheit erfahr'n
Aus den Jahr'n, all den Jahr'n
Valjean:
Wirst versteh'n, Gott enthüllt das Geheimnis
Im rechten Moment, du wirst seh'n
Marius:
Was geschah? Sie erstürmte mein Herz
Mit der Macht, die auch Himmel gewinnt
Und mein Leben steht still als ob etwas
Vorbei ist und etwas gerade beginnt
Éponine, du bist wirklich ein wahrer Freund
Nur durch dich geht die Sonne mir auf, und schau, wie sie scheint
Denn ich schwebe auf Wolken, so leicht und so frei
Éponine:
Jedes Wort, das er sagt, reißt mein Leben entzwei
Nie zuvor hab ich solch einen Menschen gekannt
Doch er läßt mich allein
Fragte er, wär' ich sein
Marius und Éponine:
Komm zu mir, ich bin hier und ich seh'n mich nach dir
Marius:
Sie ist nah
Éponine:
Ist schon da
Mein Herz ruft nach dir
Marius:
Mein Herz ruft nach dir, mein Herz wird mir schwer
Ich mache alles ganz verkehrt
Wenn du verzeihst, ich weiß noch nicht mal, wie du heißt
So ein Gesicht, ohne dich leb ich nicht
Cosette:
Mein herz ruft nach dir, ganz gleich, was geschieht
Marius:
Ich heiße Marius Pontmercy
Cosette:
Und ich Cosette
Marius:
Cosette, ein Name wie ein Leid
Cosette:
Ein Lied für dich
Marius:
Meinst du mich?
Cosette:
Ewig dich
Marius:
Mein Herz ruft nach dir
Marius und Cosette:
Mein Herz fliegt dir zu
Marius:
Kann es denn wahr sein, ich und du? Cosette, Cosette
Cosette:
Wenn ich dich nicht gefunden hätt
Marius:
Ich bin da
Cosette:
Was geschah?
Marius:
Mein Herz ruft nach dir
Éponine:
Niemals wollte er's von mir
Marius und Cosette:
Mein Herz fliegt dir zu
Éponine:
Keinen Blick hat er dafür
Marius:
Vom ersten Blick an keine Ruh'
Cosette:
Was ich auch tu
Éponine:
Niemals spricht er so mit mir, nicht mit mir
Marius:
Dir ganz nah
Éponine:
Nicht mit mir, nicht mit mir
Cosette:
Für dich da
Éponine:
Sein Herz ruft nach ihr
Marius und Cosette:
Es ist nicht nur ein Traum
Éponine:
Nein, sein Herz ruft nicht nach mir
Marius und Cosette:
Nein kein Traum, komm sag ja
Der Überfall
Montparnasse:
Dies ist sein Loch, der alte Fuchs, er ist schlau
Claquesous:
Er läßt sich kaum einmal seh'n
Babet:
Er bleibt hübsch unten im Bau
Brujon:
Riecht nach Beute hier
Thénardier:
Zehn Jahre her, er hat Cosette weggekauft
Er hat sie billig gekrieg, hab mir das Haar ausgerauft
Jetzt bezahlt er mir
Brujon:
Mir doch egal, wie du dich rächst
Hauptsache ist, daß du dann blechst
Thénardier:
Du hältst dein Maul, hilf mir da rauf
Babet:
Wen ha'm wir hier?
Thénardier:
Wer ist die Kleine?
Babet:
Nur dein Balg Éponine
Was will die hier, warum schleicht sie dir um die Beine?
Thénardier:
Éponine, hau schon ab
Merkst du nicht, daß du störst? Dies hier tun wir alleine
Éponine:
Ich kenn' dies Haus, ich sag euch
Da drin gibt's nichts zu hol'n
Nur das Mädchen und der Mann
Die bewachen keinen Schatz
Thénardier:
Weg, und zwar gleich, spinnst du total?
Sonst wirst du von mir über's Knie gelegt
Brujon:
Sie wird ja weich
Claquesous:
Das ist normal
Montparnasse:
Hau ab, 'Ponine, hau ab, du bist im Weg
Éponine:
Laßt sie in Ruh' oder ich schrei gleich
Thénardier:
Bist du wohl still oder ich hau dich windelweich
Claquesous:
Darf doch nicht wahr sein, hat man sowas geseh'n?
Dir Göre nimmt es sich raus, uns eine Nase zu dreh'n
Brujon:
Keinen Laut will ich hör'n
Éponine:
Gut, ihr wollt es nicht anders, werdet schon sehen
Thénardier:
Warte, du Biest, das ging zu weit
Ich hau' dich blau, das tut dir leid
Die wird von mir fertiggemacht
Nehmt die Kanäle, taucht in die Nacht
Marius:
Was sie vertrieb, war das dein Schrei?
Wieder 'Ponine, tapfer und treu
Liebste Cosette, meine 'Ponine
Führte mich hier, zusammen mit dir
Schritte, ganz nah
Fort, doch ich bin bald wieder da
Der Aufbruch
Valjean:
Mein Gott, Cosette, was für ein schrecklicher Schrei
Ich hörte viele laute Stimmen in der Nacht
Cosette:
Das war mein Hilferuf, Papa
Ich hatte Angst und war allein
Sie hörten mich und sie rannten fort
Valjean:
Cosette, mein Kind, was wird nun aus uns zwei'n?
Cosette:
Jenseits de Mauer sah ich sie
Drei Männer in der Dunkelheit
Valjean:
Nein, meine Ruhe find' ich nie
Jetzt holt uns ein die alte Zeit
Bestimmt Javert, er hat mich endlich gestellt
Ich bring' Cosette in Sicherheit, die geben nicht auf
Lebenslang gejagt von Schatten und sie kommen wieder her
Gleich morgen nach Calais und dann ein Schiff und über's Meer
Mach schon, Cosette, pack alles ein, frag nicht wofür
Ich will ja nur dein Glück
Mach schon Cosette, wir schließen hinter uns die Tür
Und kommen nie zurück
Morgen schon
Valjean:
Morgen schon
Ein neuer Tag, und doch, die Angst bleibt da
Auf meinem langen Weg nach Golgatha
Die Kerle kennen mein Geschick
Und sicher kommen sie zurück
Morgen schon
Marius:
Ich hab nicht gelebt bis heut'
Wie kann ich leben, wenn du fort bist?
Valjean:
Morgen schon
Marius und Cosette:
Schon morgen bist du furchbar weit
Wenn alles, was mir bleibt, dein Wort ist?
Éponine:
Wieder einen Tag allein
Marius und Cosette:
Werden wir uns wiederseh'n?
Éponine:
Noch ein Tag, an dem er wegschaut
Marius und Cosette:
Denn ich lebe nur für dich
Éponine:
Niemals wird er bei mir sein
Marius und Cosette:
Halt mich fest und glaub an mich
Éponine:
Nie hat er an mich geglaubt
Enjolras:
Nur ein Tag bis zum Orkan
Marius:
Folg ich ihr, wohin sie geht?
Enjolras:
Barrikaden künden Freiheit
Marius:
Brauchen mich die Brüder hier
Enjolras:
Morgen bricht die Wahrheit an
Marius:
Wenn ich bleibt, was wird aus mir?
Enjolras:
Wißt Ihr wo Ihr hingehört?
Chor:
Die Zeit ist reif, der Tag ist nah
Valjean:
Morgen schon
Javert:
Soll'n sie kommen, diese Schuljung's, wir geh'n keinem auf den Leim
Einen Tag bis zur Revolte, wir ersticken sie im Keim
Valjean:
Morgen schon
Die Thénardiers:
Was für win Gewühl, morgen sind sie tot
Morgen gibt's Gefühl im Sonderangebot
Nehmt sie auf den Arm, faßt in ihren Latz
Morgen abend sind sie alle abgekratzt
Chor:
Morgen schon ein neuer Anfang - Hebt die Freiheitsfahne hoch
Der das Recht für alle bringt - Die das Recht für alle bringt
Harmonie und neuer Einklang - Hört ihr, wie die Menscheit singt?
Hört ihr, wie das Volk erklingt?
Marius:
Mein Platz ist hier, ich kämpf mit euch
Valjean:
Morgen schon
| Javert: | Éponine: | Marius und Cosette: |
| Ich verkleide mich als Volksheld | Ich hab nicht gelebt bis heut' | |
| Ich verfolge jeden Schritt | Wieder einen Tag allein | |
| Ich will wissen, was sie wollen | Wie kann ich leben, wenn du fort bist? | |
| Mach zum Schein das Spielchen mit |
Valjean:
Morgen schon
| Javert: | Éponine: | Marius und Cosette: |
| Einen neuer Tag bis zur Revolte | Schon morgen bist du furchbar weit | |
| Wir ersticken sie im Keim | Niemals wird er bei mir sein | |
| Soll'n sie kommen | Wenn alles, was mir bleibt, dein Wort ist? | |
| Diese Schuljungs |
Valjean:
Alle:
Nur für mich
Siegen oder untergeh'n
Marius:
Enjolras:
Grantaire:
Combeferre:
Courfeyrac:
Feuilly:
Armeeoffizier:
Enjolras:
Studenten:
Javert auf der Barrikade
Javert:
Enjolras:
Javert:
Wir Kleinen
Jean Valjean auf der Barrikade
Valjean:
Joly:
Posten:
Valjean:
Joly:
Valjean:
Joly:
Grantaire:
Combeferre:
Courfeyrac:
Posten:
Enjolras:
Posten 1:
Posten 2:
Der erste Angriff
Stimme:
Der Regen (Eponines Tod)
Marius:
Éponine:
Marius:
Éponine:
Trinkt mit mir
Prouvaire:
Joly:
Studenten:
Grantaire:
Studenten und Frauen:
Frauen:
Alle:
Marius:
Bring ihn heim
In der Kanalisation
Javerts Selbstmord
Weiter
Dunkles Schweigen an den Tischen
Jeden Tag
Marius:
Cosette:
Valjean:
Cosette:
Valjean:
Cosette:
Marius:
Cosette:
Valjean:
Marius:
Valjean:
Marius:
Valjean:
Cosette:
Marius und Cosette:
Valjean:
Marius und Cosette:
Valjean:
Die Hochzeit
Bettler ans Buffet
Thénardier:
Thénardier und Madame Thénardier:
Epilog
Cosette:
Valjean:
Fantine:
Valjean:
Fantine und Éponine:
Fantine, Éponine und Valjean:
Chor:
Ensemble:
Drum fliehe, wer noch leben mag
Schon morgen ist der Jüngste Tag
Denn morgen wird sich zeigen, ob uns Gott für unser Leid belohnt
Morgen früh oder nie, morgen schon
Éponine:
Und wieder bin ich ganz allein, ein Botengang mit Höllenqualen
Ich will kein Geld von Euch, mein Herr, das ist mit Geld nicht zu bezahlen
Die Nacht ist schon so nah, fast könnt' ich glauben, er wär da
Ich ziehe oft allein umber, wenn alle andern Menschen schlafen
Wie oft hab ich von ihm geträumt, und daß wir uns im Dunkel trafen
Der Mond am Himmelszelt führt mich in meine eigne Welt
Nur für mich, im Stillen ist er bei mir
Ganz allein durchwachen wie die Nächte
Dann fühl ich, sein ferner Arm berührt mich
Und wenn ich mich verlauf, schließ ich die Augen und er führt mich
Regen fällt, die Straße fließt wie Silber
Nebel steigt, im Fluß verweh'n die Lichter
Dunkle Bäume, die Zweige schwer von Sternen
Und alles was ich seh, sind uns're ewigen Gesichter
Doch ich weiß, es kann ja nie gescheh'n
Denn ich red nur mit mir selbst und nicht mit ihm
Ja, ich weiß, er hat mich überseh'n
Ganz egal, ich muß zu ihm steh'n
Ich lieb ihn, doch geht die Nacht vorüber
Ist er fort, der dunkle Fluß wird trüber
Er fehlt mir, die Welt verliert die Farben
Die Bäume kahl, die Menschen fahl, die Straßen voller Narben
Ich lieb ihn, doch täglich muß ich sehen
Wie er lebt, als hätt's mich nie gegeben
Sein Leben wird ohne mich vergehen
Die Welt ist voller Seligkeit und ich darf nicht hinein
Ich lieb ihn, ich lieb ihn, ich lieb ihn, doch nur für mich allein
Combeferre, Feuilly, Courfeyrac und Prouvaire:
Hier geloben wir, die Barrikade hält
Laß sie kommen in Scharen, wir reiben sie auf
Was heute geschieht, verändert die Welt
Wir hau'n sie zusammen, verlaß euch darauf
Jetzt und hier fängt es an
Und wenn's mich erwischt, wo sich Menschen befrei'n
Wo's am heißesten hergeht, dort werd' ich sein
Euch beerdigen wir, wir sind hier
He, ihr Verrückten, hört zu, was ich sag
Keiner greift ein, wenn man euer Fell gerbt
Ihr seid allein und ohne Freund
Ergebt euch oder sterbt
Siegen oder untergeh'n
Sie soll'n uns're Volksmacht seh'n
Siegen oder untergeh'n
Sie soll'n uns're Volksmacht seh'n
Joly:
Er ist zurück
Freunde, hört her, ich hab alles geseh'n
Ihre Reihen steh'n dicht, die Reserven sind groß
Nein, ich irre mich nicht
Sei'n wir gewarnt, ihre Feuerkraft reicht
Uns zu Leibe zu geh'n, jede List wird gebraucht
Um dem Kampf zu besteh'n
Habt Mut
Wenn du all ihre Pläne kennst, steht's für uns gut
Wir sind stark, doch auf unsere Art
Wir besiegen Regimenter
Ich hab' alles mitgehört, sie greifen nicht mehr an heut' nacht
Erst mal hungern sie uns aus, doch dann eröffnen sie die Schlacht
Jedes Sturmgeschütz wird nach rechts gebracht
Gavroche:
Lügner
Ich grüße Sie, Inspektor, und ich freue mich sehr
Ich kenne diesen Schuft, er heißt Inspektor Javert
Drum glaubt ihm bloß kein Wort, er lügt, sobald er nur spricht
Ich bin zwar ziemlich klein, doch hintergeht man mich nicht
Wir Kleinen können mehr, sind flinker als der Blitz
Seh'n aus wir leichte Beute, doch wir beißen spitz
Drum trete keinen Hund, auch wenn's ein Welpe ist
Wir kämpfen, bis uns jeder aus den Händen frißt
Und der Welpe frißt Euch auf, wenn er erwachsen ist
Joly:
Hier kommt ein Mann in Uniform
Was willst du bei uns? Sprich
Ich schließe mich dem Aufstand an
Komm her, zeig dein Gesicht
Warum trägst du Soldatenrock?
So ließ man mich hier rein
Ihr seid nicht mehr ganz jung, mein Herr
Ich kann euch nützlich sein
Schaut euch den Gefangenen an
Freiwillig kam auch er
Ein Spitzel, sagt, er heißt Javert
Er ist ein toter Mann
Sie kommen, Zeit, daß man sie grüßt
Nehmt dies und legt gut an
Und wer uns in den Rücken schießt
Hat wenig Freund dran
Ein Zug Pioniere im Anmarsch auf die Barrikade
Infanterie hinter ihnen, fünfzig Mann oder mehr
Enjolras:
Feuer!
Scharfschütze
Éponine:
Keine Angst, Monsieur Marius, ich bin nicht mehr in Not
Der Regen färbt mich rot, doch tut er mir nicht weh
Ihr helft, ich könnt' vor Glück verglüh'n
Ihr schützt mich vor der Nacht
Ihr haltet mich ganz sacht
Und Regen läßt die Blumen blüh'n
Ich brauche dich, 'Ponine, ich geb die Welt
Wenn meine Liebe dich am Leben hält
Umarmt mich nur, und grämt Euch nicht
Streichelt mich, tröstet mich
Leben sollst du hundert Jahr'
Du hattest es so schwer
Ich geb dich nicht mehr her
Der Regen schmerzt nicht mehr
Der Regen wäscht mein Leben rein
Ihr schützt mich vor der Nacht
Ihr haltet mich ganz sacht
Ich schlaf in Euren Armen ein
Der Regen hat Euch mir so nah gebracht
Der Mond hat sich vom Nebel freigemacht
Ich atme Eure Nähe ein
Fast zu schön, um wahr zu sein
Éponine:
Keine Angst, Monsieur Marius
Ich bin nicht mehr in Not
Der Regen färbt mich rot
Doch tut er mir nicht weh
Ich könnt' vor Glück verglü'n
Ihr schützt mich vor der Nacht
Ihr haltet mich ganz sacht
Und Regen
Läßt die Blumen
Marius:
Schlafe, meine Éponine
Du bist nicht mehr in Not
Der Regen färbt dich rot
Doch tut er dir nicht weh
Ich helf
Und ich komm mit dir
In deine Träume
Und Regen
Läßt die Blumen blüh'n
Feuilly:
Trinkt mit mir auf all die Zeit
Singt mit mir, die Nacht ist weich
Träumt von all den Mädels, die man gern hätt'
Denkt an all die Mädels in eurem Bett
Trinkt auf sie und trinkt auf euch
Trinkt mit mir auf all die Zeit
Schließlich ist der Tod nicht weit
Wer wird an dich denken, wenn du krepierst?
Kann es sein, daß du kein Schwein interessierst?
Heldentraum und Wirklichkeit
Trinkt mit mir auf all die Zeit
Auf den Tag und auf das Licht
Daß den Schrein der Freundschaft keiner betrügt
Daß der Wein der Freundschaft niemals versiegt
Trinkt auf dich und trinkt auf mich
Bald schon fährt sie über's Meer, heut' empfängt mein Herz den Stich
Nur mit dir, Cosette, erwärmt sich die Welt
Fühlst du Schmerz, Cosette, wenn Marius fällt?
Ob du weinst, Cosette, um mich?
Valjean:
Herr, mein Gott, hör mein Fleh'n
Steh mir bei, laß kein Unrecht gescheh'n
Er ist jung, laß ihn zieh'n
Hilf ihm auf, segne ihn
Bring ihn heim, bring ihn heim
Bring ihn heim
Er rührt mich wie mein eigner Sohn
Hätt' Gott mir einen Sohn gewährt
Die Sommer flieh'n, unbeschwert
Verfliegen sie um mich her
Und ich bin alt und bleib nicht mehr
Laß ihn blüh'n, liebesblind
Segne ihn, er ist fast noch ein Kind
Herr, du nimmst, Herr, du gibst
Doch du schützt die du liebst
Meinen Leib geb ich ihn
Laß ihn zieh'n, bring ihn heim
Bring ihn heim, bring ihn heim
Thénardier:
Ha, da grinst das Gold frech aus dem Gebiß
Ihr versteht, Monsieur, mir nützt es ungleich mehr als Euch
Morgen bring ich's an den Mann
Nochmals vielen Dank, pfeif' auf den Gestank
Leichenduft im Rattenloch, die Hölle haucht dich an
Doch du gewöhnst dich schnell daran
Auch hier muß einer nach dem Rechten seh'n
Kannst du mir ruhig glauben, gar nicht nötig, daß du greinst
Jemand muß für die Ordnung geradesteh'n, bin im öffentlichen Dienst
So ein schicker Ring, fesches kleines Ding
Wenn ich den nicht greife, bin ich wirklich strafbar dumm
Edler Herr, mein Dank ist groß
Feiner Glitzerdreck, nehm's dem Buben weg
Sein Herzchen schlägt nicht länger, seine Erdenzeit ist um
Doch die Uhr tickt tadellos
Auch hier muß einer nach dem Rechten seh'n
Bevor die kleine Ernte wegschwimmt im Kloakensud
Sowas läßt Thénardier nicht untergeh'n, wenn die Gosse trieft vor Blut
Schöne Welt, wo du Reißzähne brauchst
Sieger bleibt nur das gierigste Tier
Und Gott in der Höhe, der mischt sich nicht ein
Der ist tot wie der Kerl hier vor mir
Ich such in Wolken nach dem Himmel
Und finde doch nur den Mond
Hier scheint der Beutemond
Javert:
Was für ein Mann, was für ein teuflischer Plan
Er stellt mir Fallen, und dann, dann fängt er nihts damit an
Denn seine Stunde was da, besiegelt war mein Geschick
Alles was war bekommt man einmal zurück
Kurzer Prozeß, nur ein Stich und ein Schrei
Die Rache war sein, und er ließ mich wieder frei
Nein, ich leb nicht in der Schuld eines Diebs
Die Jagd ist aus, doch ich wahr' mein Gesicht
Ich bin das Recht, und das macht man nicht schlecht
Spuck' auf sein Mittleid, ich brauche es nicht
Es gibt nichts, was gemeinsam uns wär
Es heißt: entweder ich oder er
Hat dieser furchbar fremde Mann schon über meinen Sinn Gewalt?
Der Mann, den ich so glühend jagte
War gnädig zu mir, gab mir die Freiheit
Ich sollt' vergeh'n durch seine Hand
Das war sein Recht, mein Recht war nur mein eigner Tod
Jedoch ich leb' in Höllennot
Alles dreht sich in mir
Kann man diesem Mann trau'n?
Schenkt ihm Gott seine Gnade?
Wird den Himmel er schau'n?
Wird nun der Zweifel mich verzehr'n
Der all die Jahre mich nicht fand?
Mein Herz aus Stein beginnt zu beben
Die Ordnung der Welt versinkt im Schatten
Schickt ihn der Satan? Schickt ihn Gott?
Kann er versteh'n? Durch sein Erbarmen heute nacht
Muß ich erst recht zugrunde geh'n
Ich verlier' den letzten Halt
Die Gestirne schwarz und kalt
Ringsumher die nackte Nacht
Droht in gräßlicher Gestalt
Ich quittiere meinen Dienst
In der Welt des Jean Valjean
Hier bleibt nicht für mich zu tun
Bricht kein neuer Morgen an
Frauen:
Saht auch ihr die Kinder geh'n zur Schlacht?
Barrikadenkinder, wie sie starben letzte Nacht?
Saht auch ihr sie liegen blutbefleckt?
Jemand sang auch sie in Schlaf und hat sie zugedeckt
Sei verflucht, wer Kinder niederstreckt
Keiner weckt sie, keiner holt sie her
Blutig kann der Sommer sein, umsonst und sorgenschwer
Lauter Schuljungs vor dem ersten Kuß
Kämpften für die Zukunft, weil die Wahrheit siegen muß
Was bleibt übrig nach dem letzten Schluß?
Nichts wird anders, alles bleibt sich gleich
Jedes Jahr ein neues Balg, wir sorgen dann für euch
Weiter geht es, Tränen sind verkehrt
Warum soll'n wir beten, wenn uns niemand dabei hört?
Weiter, weiter, weiter trifft es jeden, der sich wehrt
Weiter, weiter, weiter wie es war
Stunden werden Tage und schon wieder flieht ein Jahr
Nichts wird anders, nicht fällt in den Schoß
Schnell dreht sich das Karussell und wieder geht es los
Schneller, und die Schatten werden groß
Marius:
Dieser Schmerz kennt keinen Namen
Niemand bringt sie wieder her
Dunkles Schweigen an den Tischen
Meine Freunde sind nicht mehr
Hier erhob sich ihre Flamme
Hier ergriff sie Mann für Mann
Hier besangen sie die Zukunft
Doch die Zukunft brach nicht an
Von dem Tisch dort tief im Winkel
Schauten sie die neue Welt
Und ihr Lied stieg hoch zum Himmel
Ich vernehm' sie noch
Denn jedes Wort hat sie geeint
Zum Abendmahl der Freundschaft
Für den Barrikadentod als Held
Meine Freunde, seid mir gnädig
Ich vermisse euch so sehr
Dieser Schmerz kennt keinen Namen
Niemand bringt euch wieder her
An den Fenstern starr'n Gespenster
Werfen Schatten in den Raum
Dunkles Schweigen an den Tischen
Keiner teilt mit mir den Traum
Meine Freunde, fragt mich niemals
Ob sich solch ein Opfer lohnt
Dunkles Schweigen an den Tischen
Weil kein Freund die Nacht bewohnt
Cosette:
Jeden Tag denken wir an die Nacht, die uns ewig gemacht
Mein Herz ruft nach dir, nach dir jede Nacht
Das Schicksal hat es wahrgemacht
Ein Traum ward wahr, durch alle Stürme und Gefahr
Ihr Mademoiselle, seid mein Stern, klar und hell
Mein Herz ruft nach dir
Halten kann und darf ich nicht
So froh war ich nie
Sie ist jung, ich mußversteh'n
"Ich heiße Marius Pontmercy"
Cosette, Cosette
Vom ersten Blick an keine Ruh'
Frei blüht die Liebe, blüht das Glück
Was ich auch tu
Laß sie geh'n
Dir ganz nah
Laß sie geh'n
Für dich da
Es ist nicht nur ein Traum
Ein Herz voll Vertrau'n
Es ist Wirklichkeit, komm, sag Ja
Ist mein Hochzeitsgeschenk
Chor:
Nun läutet ein, denn heute soll Hochzeit sein
Heut gibt's für zwei vom Himmelreich ein Stück
Die Engel jubeln, was könnt' schöner sein?
Und krönen diesen Tag mit Glanz und Glück
Majordomus:
Baron und Baronesse de Thénard wünschen dem Bräutigam ihre Aufwartung zu machen
Ich lach' micht tot, ich glaub', ich spinn'
Vornehmstes Pack und ich mittendrin
Hier kommt ein Prinz, dort geht ein Jud'
Der da ist schwul, doch sonst geht's ihm gut
Ganz Paris ist mein, ganz Paris hat Gicht
Und ich? Ich freß mich durch, durch die Oberschicht
Bettler ans Buffet, das ist unser Tanz
Leben kann so schön sein, aber leb' es ganz
Alle sind mondän, alle sind bigott
Immer hübsch gesittet, aber längst bankrott
Sonntags wird Herrn Gott befohlen
Daß er's ihnen wohlgeh'n läß
Doch wir sind die, die's raffen
Die, die's immer schaffen, das steht fest
Los, ihr Lumpen, tanzt, wackelt mit dem Kropf
Wir behalten immer unser'n klaren Kopf
Wir die wahren Herr'n, ist das nicht ein Hohn?
Wenn die Barrikaden fall'n, wir warten schon
Ganz egal, woher der Wind weht
Geldgeruch ist stets dabei
Warum soll ich nicht reich sein?
In der Hölle sind noch Plätze frei
Valjean:
Nun bist du da an meiner Seite
Nun kann ich ruhig geh'n, mein Leben ist erfüllt
Du bleibst hier, Papa, du bleibst bei mir
Viel zu früh für deine letzte Ruh'
Ja, Cosette, verbiet mir's immerzu
Ich gehorch, ich versuch's
Dies Papier erzählt dir mein Geständnis
Lies es gut wenn ich mich niederlege
Es berichtet von denen, die dich lieben
Die Mutter gab ihr Leben hin und dich in meine Pflege
Komm mit mir, verlaß das Tal der Schmerzen
All dein Leid fällt endlich dir vom Herzen
Gott im Himmel, sei gnädig deinem Diener
Vergib mir meine Sünden, Herr, und schenke mir den Frieden
Hand in Hand, so geh'n wir zur Erlösung
Liebe bleibt, denn Liebe nur ist ewig
Und vergeßt nicht, die Wahrheit steht geschrieben
Zu lieben einen Menschen heißt: das Antlitz Gottes seh'n
Hört ihr, wie das Volk erklingt, tief in dem Tal der Dunkelheit?
Das ist die Symphonie von Menschen auf dem Weg in hell're Zeit
Für die Schwachen dieser Welt brennt eine Flamme, die sie eint
Finsterste Nächte geh'n vorbei und die Sonne scheint
Einst erreichen wir den Garten, den das Unrecht uns verwehrt
Wir marschieren hinter Pflugschar'n und zerbrechen stolz das Schwert
Wir sprengen die Ketten und jedem was jedem gehört
Wollt ihr, daß der Sieg gelingt? Seid ihr bereit und steht uns bei?
Hinter den Barrikaden winkt uns eine Welt, gerecht und frei
Hört ihr, wie das Volk erklingt? Hört ihr den fernen Trommelschlag?
Es ist die Zukunft, die er bringt, und der neue Tag
Wollt ihr, daß der Sieg gelingt? Seid ihr bereit und steht uns bei?
Hinter den Barrikaden winkt uns eine Welt, gerecht und frei
Hört ihr, wie das Volk erklingt? Hört ihr den fernen Trommelschlag?
Es ist die Zukunft, die er bringt, und der neue Tag
Der neue Tag